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Usedom-Reiseführer

Technologietransfer: Huntsville (Alabama) ist Partnerstadt von Peenemünde.

Peenemünde im Inselnorden Usedoms

Die wechselvolle Geschichte Peenemündes auf Usedoms

Erste Erwähnung Peenemündes

1282 wird in einer Urkunde der nördlichste Ort der Insel Usedom erstmals erwähnt. Herzog Bogislaw IV. schenkte das kleine Fischer- und Bauerndorf der Residenzstadt Wolgast. Die überlieferte Urkunde detailliert die Schenkung der Länderein genau und legt ebenso die Rechte der Stadt Wolgast am Peenemünder Hafen der Insel Usedom fest. Das zeigt, dass das Gebiet Usedoms zu dieser Zeit schon besiedelt war. Eine 300 Jahre später datierte Liste stellt dar, dass sechs Bauern und zwölf Kleinbauern das Land bestellten. Die Ablieferungspflichten der nicht zahlenmäßig erwähnten Usedomer Fischer bei Hofe wurden ebenso genau aufgeführt. Die Fischer bekamen für einen Stör bis zu 24 Schilling, wogegen "ein Töver voll" Speisefisch ihnen nicht vergütet wurde.

Raketenstart auf dem Peenemünder Prüfstand VII: Ein Aggregat 4 steigt auf.

Schweden und Dänen

Der Dreißigjährige Krieg verschonte auch diesen Ort der Insel Usedom nicht. Wallenstein ließ zur Sicherung der Peenemündung befestigte Schanzen bauen, die jahrhundertelang Schicksal und Aussehen des Ortes bestimmten. Schweden und Dänen wechselten sich in ihrer Herrschaft über das Gebiet der Insel Usedom ab, bis Usedom im Siebenjährigen Krieg endgültig zu Preußen kam.

Schlechte Böden und häufige Überflutungen dieses Teiles der Insel Usedom ließen einen Wohlstand der Bauern und Fischer nicht zu. Auch am entstehenden Fremdenverkehr der anderen Orte auf der Ostsee-Insel Usedom hatte Peenemünde wenig Anteil.

Peenemünde, Prüfstand VII: Von hier aus wurde erstmals mit einem Flugkörper die Grenze zum Weltraum erreicht.

Begehrlichkeiten von Heer und Luftwaffe

Nach der faschistischen Machtergreifung wurde nach einem geeigneten Gebiet für die militärische Forschung gesucht und man wurde alsbald auf den äußersten nordwestlichen Teil der Insel Usedom aufmerksam. Ausschlaggebend waren Pläne zur Entwicklung von Flugkörpern, die man entlang der dünn besiedelten Ostseeküste vor Usedom verschießen konnte. Damit wurde versucht, die Bestimmung des "Vertrages" von Versailles zu unterlaufen, die Deutschland eine eigene Luftwaffe verboten.

Raketenforschung auf Usedom: Ruine des gesprengten Hochbunkers bei Peenemünde.

Versuchsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West und Versuchsstelle des Heeres Peenemünde

Ab 1935 wurde ein großer Teil des Peenemünder Hakens der Insel Usedom zum militärischen Sperrgebiet erklärt. 1937 begann eine rege Bautätigkeit für den Aufbau der 'Versuchsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West' und der 'Versuchsstelle des Heeres Peenemünde' Peenemünde. Hiermit gingen der Ausbau des Hafens und der Bau eines Kraftwerkes einher. Unter General Dornberger und Werner von Braun arbeiteten 36 Professoren, 1500 Wissenschaftler und 8000 Facharbeiter an der Entwicklung und Herstellung von Robotbomben (Propagandabezeichnung "V1)" und Raketen ("V2") auf der Insel Usedom.

Die Grenze zum Weltraum

Am 3. Oktober 1942 durchbrach eine Rakete des Typs Aggregat 4 die Grenze zum Weltraum. Damit ist Peenemünde der Geburtsort der modernen Raumfahrt.

Museumshafen Peenemünde: im Hintergrund ist das Kraftwerk zu erkennen.

Die gerade entstandene Peenemünder Arbeitsgemeinschaft wandelte 1991 die Schaltwarte des für die V-Waffen-Produktion errichteten Kraftwerkes auf Usedom in ein Museum um. Die Geschichte der Flugkörperentwicklung wird mit einer interessanten Zusammenstellung von originalem Material dargestellt. Das Historisch-Technische Informationszentrum für Raumfahrt und Raketentechnik hat sich zu einem Anziehungspunkt für geschichtlich und technisch Interessierte entwickelt und ist daneben ein Besuchermagnet auf der Insel Usedom.

Peenemünde und der Tourismus

Peenemünde selbst besitzt keinen Sandstrand wie die anderen Gemeinden an der Ostseeküste der Insel Usedom, da der Peenemünder Haken zum Peenestrom, zum Greifswalder Bodden und zur Ostsee fast vollständig mit einem breiten Schilfgürtel umgeben ist. Die mehr als ein halbes Jahrhundert andauernde Abschottung wegen der militärischen Nutzung und das Fehlen eines eigenen Strandes hat Peenemünde von der touristischen Entwicklung der Insel Usedom im Hinblick auf Unterkünfte wie Ferienhäuser, Ferienzimmer, Hotelzimmer, Pensionen u. dgl. abgekoppelt. Obwohl in Peenemünde auch Ferienwohnungen und Ferienzimmer angeboten werden, positioniert sich der Ort als Museumszentrum. Die gewaltigen Betonflächen des Flugplatzes bieten Raum für Motorradrennen und -übungen.

Seit 2009 wird im Südwesten von Peenemünde in der Nähe des Hafens ein Ferienhaus-Gebiet entwickelt. Neben bereits bestehenden Ferienwohnungen und anderen Beherbergungsbetrieben entsteht damit in Peenemünde ein größeres Angebot an Unterkünften. Zusammen mit dem Angebot an interessanten Museen und der Lage zwischen den Küsten von Peenestrom, Greifswalder Bodden und Ostsee steigt die Attraktivität dieser Usedomer Gemeinde.

Ruine des Sauerstoffwerkes in Peenemünde

Virtueller Rundflug

Neu: Steinbock-Ferienwohnungen bietet dem historisch Interessierten eine kostenlose und bequeme Gelegenheit, während eines virtuellen Rundfluges in Google Earth® die Erprobungsstellen Peenemünde auf Usedom kennenzulernen. Jeder erwähnenswerte Ort wird angeflogen und vor oder nach dem Rundflug können zahlreiche weiterführende Informationen über die verschiedenen historisch bedeutsamen Orte auf diesem Areal der Insel Usedom abgerufen werden. So wird der heutige Zustand des Ortes gezeigt, seine Funktion und Bedeutung erläutert und zu zahlreichen Orten Detailinformationen angeboten. Eine Zeittafel fasst das Geschehen auf dem Peenemünder Haken der Insel Usedom in den Jahren 1936 bis 1945 zusammen. Gern können Sie mit uns zum Thema chatten - wir freuen uns auf Sie.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe auf der Insel Usedom

Blick durch das Schleuderrohr der V1-Abschussanlage: Historisch-Technisches Informationszentrum Peenemünde.

Historisch-Technische Informationszentrum Peenemünde

Das Historisch-Technische Informationszentrum Peenemünde, Bahnhofstraße 28, (außer Montag von 9-17 Uhr geöffnet) präsentiert die Wiege der Raumfahrt auf der Insel Usedom.

Der Hafen von Peenemünde

Im Hafen liegt ein altes sowjetisches U-Boot, das als Museum besichtigt werden kann. Vom Flugplatz Peenemünde aus können touristische Rundflüge über die Insel Usedom und das Hinterland gebucht werden.

An manchen Stellen findet man Eingang in die ehemalige Sperrzone. Obwohl es wegen militärischer Altlasten und mooriger Gebiete nicht gefahrlos ist, diese Gebiete aufzusuchen, bieten sie zahlreiche Naturerlebnisse, die selbst für die reiche Naturlandschaft Usedoms beeindruckend sind.

Hilfreiche Links

Historisch-Technisches Informationszentrum Peenemünde: www.peenemuende.de

Rundflug um den Peenemünder Haken: KMZ-Google-Earth®-Daten

Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West auf der Insel Usedom: Ruine einer großen Werkhalle