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Usedom-Reiseführer

Peenemünde-Ost: Sauerstoffwerk

Überblick über die Erprobungsstellen von Heer und Luftwaffe auf dem Peenemünder Haken

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Erzeugung von Treibstoffkomponenten

Vor allem die Entwicklung leistungsfähiger Raketentriebwerke benötigte Treibstoffkomponenten in großer Menge. Vor der Entwicklung der hypergolen Treibstoffe (z. B. Hydrazin-Derivate), wie sie später hauptsächlich für Flüssigkeitsantriebe verwendet wurden, war eine dieser Komponenten flüssiger Sauerstoff. Dieser wurde mit dem Linde-Verfahren in Peenemünde auf der Insel Usedom hergestellt. Das um die Wende zum 19. Jahrhundert entwickelte Linde-Verfahren ermöglichte die Luftverflüssigung auf einem kontinuierlichen Wege durch stufenweise Kompression und Entspannung der Luft.

Linde-Aggregate

Das gewaltige als Betonfachwerkbau errichtete Industriegebäude beherbergte vier große Linde-Aggregate, die einen nicht unerheblichen Teil der Leistung des nahegelegenen Kraftwerks verbrauchten. Der erzeugte flüssige Sauerstoff ("B-Stoff") wurde zusammen mit etwa 75%igem Alkohol ("A-Stoff") in die Brennkammer der A4-Rakete gepumpt und dort verbrannt. Die geeignete Form der Schubdüse des Raketentriebwerks setzte im Düsenhals den beträchtlichen Druck in Geschwindigkeit um. Diese wiederum bewirkte den erwünschten nach unten weisenden Impuls, dessen Gegenkraft den Flugkörper antrieb.

Technisches Denkmal mit ungewisser Zukunft

Nach Demontage und teilweiser Zerstörung dieses für die Verhältnisse der Insel Usedom großen Industriebaus wurden die Räumlichkeiten während der DDR-Zeit als Lagerflächen genutzt. Inzwischen hat man Versuche unternommen, das große, von den Peenewiesen und vom Peenestrom aus gut zu sehenden Gebäude zu privatisieren. Jedoch hat das Land Mecklenburg-Vorpommern klargestellt, dass keine öffentliche Förderung für eine private Nutzung dieser Anlage infrage kommt. Ziel ist die Sicherung des Bauwerkes gegen unerlaubten Zutritt und das "Vergehen" dieser Ruine.

 

  • Stahlbetonskelett: Die Ruine des Sauerstoffwerkes in Peenemünde.
  • Im Erdgeschoss: Das große Bauwerk des Peenemünder Sauerstoffwerkes.
  • Maschinenfundamente: Hier standen die vier großen Linde-Aggregate zur Herstellung des Flüssigsauerstoffes.
  • Südschiff: Die fast sakrale Halle des Sauerstoffwerkes in Peenemünde.