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Usedom-Reiseführer

Peenemünde-West: Schleuderprüfstände

Überblick über die Erprobungsstellen von Heer und Luftwaffe auf dem Peenemünder Haken

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Flugbombe Fi 103: Sebstgesteuerten Verlustflugzeug

Die Schleuder- oder Katapult-Prüfstände auf dem nördlichsten Punkt der Insel Usedom dienten der Erprobung der Flugbombe Fi 103 ("V1"), eines einfach konstruierten, sebstgesteuerten Verlustflugzeuges, das mit einem Pulsionsschubrohr angetrieben wurde. Schleuderstart und Schubrohrantrieb verliehen dem Flugkörper eine für die damalige Zeit überragende Geschwindigkeit, die deutlich über der Maximalgeschwindigkeit der schnellsten Jagdflugzeuge lag. Die Fi 103 vermochte 850 kg hochbrisanten Sprengstoffs ins Ziel zu bringen und war von ihrer Trefferwirkung der Rakete A4/"V2" damit überlegen. Ihre Produktion war einfach, billig und benötigte - von einigen unbedeutenden Ausnahmen abgesehen - nur einfaches und verfügbares Material. Der simple Antrieb konnte mit durchweg verfügbarem "Fischer-Benzin" (mittels Fischer-Tropsch-Verfahren aus Kohle hergestellt) betrieben werden.

Walter-Schleuder im Historisch-Technischen Informationszentrum Peenemünde: Starthilfe für die Fi 103.

Erprobung von Startmethoden

Neben der Funktion des Flugkörpers selbst wurden auf dem Peenemünder Haken der Insel Usedom mehrere Methoden des Startes erprobt. Am Ende setzte sich das kalte Walter-Verfahren (katalytische Zersetzung von hochkonzentriertem Wasserstoffsuperoxyd mit Natriumpermanganat zur Erzeugung eines hochgespannten chemischen Dampfes) gegenüber der "Rheinmetall-Borsig-Schleuder", die mit Starthilfsraketen arbeitete, durch. Erfahrungen mit dem Walter-Antrieb lagen aus Torpedos, U-Booten, der Treibstoffförderung des A4/ (Turbopumpe) und dem Raketenjäger ME 163 vor.

Etwas westlich auf diesem Usedomer Gelände liegen die Trümmer der ersten Generation von Katapultstartanlagen. Dabei handelte es sich um Betonunterkonstruktionen, auf denen Schienen zur Aufnahme des Startwagens angebracht waren. Der feldmäßige Einsatz der Fi 103 wurde vor allem auf einer Schleuderstartanlage im Kiefernwald zwischen den Usedomer Orten Zempin und Zinnowitz erprobt. Bedingt durch die Entstehungsgeschichte der "V1" wurde die Robotbombe als Artilleriewaffe verstanden, was zu nicht unerheblichen Schwierigkeiten in Entwicklung und Einsatz führte. Der Einsatz erfolgt dann auch unter dem Kommando des Flakregimentes 155.

Flugbahn und Messtechnik

Die selbstgelenkten Robotbomben wurden von Usedom gestartet annähernd parallel zur Ostseeküste der Insel Usedom und entlang der Südküste der Pommerschen Bucht verschossen. Ihre Flugbahnen wurden mit Hochgeschwindigkeitskameras mit 1000mm-Objektiven von speziellen Beobachtungsständen auf dem Streckelsberg (bei Koserow) und auf dem Langen Berg (bei Bansin) aufgezeichnet. Daneben gab es Messhäuser im Norden des Peenemünder Hakens auf Usedom und auf der Insel Ruden. Zudem wurden die Flugbahnen mit Funkmesstechnik erfasst.

Peenemünde-West: Schleuderprüfstände heute

Nach Demontage und Sprengung sind heute nur noch Fundamente bzw. Ruinen der Anlage zu finden. Helfer legen gelegentlich die Fundamente der Walter- und der Rheinmetall-Borsig-Schleudern frei. Ein als Bauwerk leidlich erhaltener Befehlsstand wird ebenfalls von Vegetation freigehalten. Ein weiterer, nur noch als Ruine erhaltener Befehlsstand ist dagegen kaum noch wahrzunehmen.

 

  • Prüfstände auf dem Peenemünder Haken: Befehlsstand der Fi 103/FZG 76/"V1".
  • Walter-Schleuder der Fi 103/FZG 76/"V1" auf dem Peenemünder Haken.
  • Schleuderprüfstände der ersten Generation für Fi 103/FZG 76/"V1" auf dem Peenemünder Haken.
  • Rheinmetall-Borsig-Schleuder der Fi 103/FZG 76/"V1" auf dem Peenemünder Haken.

 

Filmtipp von urlaubs-insel-usedom.de: "Geheimaktion Crossbow", Großbritannien/ Italien 1965, Regie: Michael Anderson, mit George Peppard, Sophia Loren. Die frühe Mission Impossible-Version bietet neben einer durchweg spannenden Spielhandlung sehr detaillierte und authentische Szenen über die Startsequenz der Robotbombe Fi 103. Auch der zu Beginn des Spielfilms dargestellte Umstand, dass Hanna Reitsch die "fliegende Bombe" flog, ist historisch verbürgt, wenn auch nicht im Gefolge an einen Schleuderstart mit dessen extremer Beschleunigung von ca. 18 G.