Peenewiesen zwischen Karlshagen und Peenemünde

Die Landschaft

Zwischen Karlshagen und Peenemünde erstreckt sich flaches Wiesenland, das von Meliorationsgräben durchzogen ist. Dieser westliche Teil des Inselnordens, der zum Peenestrom hin liegt, wird Peenewiesen genannt. Im Osten werden die Peenewiesen von Wald abgegrenzt, der sich bis nach Peenemünde hinzieht. Zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges bot dieser Wald den Abnahmeprüfständen der Heereswaffenanstalt Deckung.

Heute wird die vormalige Nutzung nur noch anhand der Lagerbunker für die sogenannten V-Waffen sichtbar. Der Fahrradweg zwischen Karlshagen und Peenemünde quert dieses Areal, Informationstafeln geben Auskunft über den ursprünglichen Zweck der Ruinen.

Abendliches Idyll — Blick auf den Wotig, eine unbewohnte Insel im Peenestrom.

Peenewiesen auf Usedom — weites, flaches Wiesenland am Peenestrom.

Blick über den Peenestrom — auf der Festlandsseite liegt Hollendorf recht idyllisch am Wasser.

Inmitten der Peenewiesen liegen der Cämmerer See im Süden von Peenemünde und die Piese, ein schmaler, kleiner See weiter südlich. Darunter durchziehen zahlreiche Gräben das flache Land. Vom Hafen Karlshagen bis zum Hafen Peenemünde erstreckt sich der Deich am Peenestrom. Nahe am Deich befinden sich auf halben Wege zwischen Karlshagen und Peenemünde die Ruinen mehrerer Lagerbunker, die im Zusammenhang mit der Raketenentwicklung auf dem Peenemünder Haken errichtet wurden.

Das Biotop

Obwohl die Landschaft auf den ersten Blick eher unspektakulär erscheint, ist sie ein reiches und wertvolles Biotop. An einigen Stellen befinden sich zwischen Deich und Schilfgürtel Wiesen, in denen seltene Pflanzen gedeihen. Das System aus Meliorationsgräben und Seen bietet Fischen, Fröschen und manchen Reptilien Platz.

Schilf und Wiesen jenseits des Deiches — gelegentlich wird endemische Flora auf dem Peenemünder Haken angetroffen.

Fisch im Peenestrom — das System Achterwasser-Peenestrom-Greifswalder Bodden-Ostsee ist ideal für die maritime Fauna.

Schwäne am Schilfgürtel des Peenestroms — die riesigen Schilfflächen bieten zahlreichen Wasservögeln Nahrung und Nistplätze.

Vipera berus — die leider selten gewordene Kreuzotter zeigt sich zuweilen in den Peenewiesen.

Auch dieses Biotop ist gefährdet: Über viele Jahre hinweg bestand der Plan, die gesamte Landschaft zu fluten, indem die Deiche zerstört werden. Pläne bestanden, die Ortslage Peenemünde und das westlich liegende Landschulheim zu diesen Zwecken einzudeichen. Dabei handelt es sich um eine Ausgleichsmaßnahme für völlig irreale Eingriffe an anderer Stelle. Eindrucksvoll kann man die Folgen derartiger Maßnahmen bei der Anfahrt auf die Insel Usedom um die Zecheriner Brücke herum betrachten …

Geschichte

Die Heereswaffenanstalt verwandelte den Peenemünder Haken zwischen 1937 und 1945 in ein gewaltiges Zentrum militärischer Hochtechnologie — mit schrecklichen Folgen für die Region, die Zwangsarbeiter und die mit den dort entwickelten Waffen angegriffenen Städte. So ist es nicht verwunderlich, dass bereits während des Krieges auf alliierter Seite alles daran gesetzt wurde, die Anlagen zu zerstören.

Demontage — nach Kriegsende wurden die Anlagen der Heereswaffenanstalt sorgfältig zerstört (hier die Lagerbunker).

Konversion — die letzten Fischer der Insel Usedom jagen auch auf dem Peenestrom den schwindenden Fangquoten nach.

Nach Kriegsende blieb eine Trümmerwüste von den Anlagen übrig, die alsbald einer neuen militärischen Nutzung zugeführt wurde. Erst 1990 endete diese über ein halbes Jahrhundert andauernde militärische Nutzung. Die Natur eroberte die Gebiete zurück, Landwirtschaft und Fischerei sind die wenigen Nutzungsarten.